1497 Kammergerichtsordnung Lindauer Entwurf


Kammergerichtsordnung 1497 Lindauer Entwurf :: Elektronische Edition Heino Speer 2010 / 2013

[Editorial]

Quelle: Gollwitzer, Heinz (1989): Reichstage von Lindau, Worms und Freiburg 1496-1498. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (Deutsche Reichstagsakten. Mittlere Reihe, Band 6) 310-323

[Art. 1] Verwesunge eins camerrichters und anzale der bysitzer betreffende.

Nochdem des kgl. KG. ordenunge, zu Worms ußgangen, begrifft, das in sachen ff. betreffend nyemants, dan ein gf. oder frhr. zu verweser des
[Seite: S. 312] camerrichters gesatzt werden sol, ist geratslaget, das gut und not sy, ufs mynst noch einen gf. oder frhr. an das KG. zu gf. Bernhart von Eberstein zu ordenen, damit zu ziten, so sich lybs, krankheit oder ander not sachen denselben camerrichter und gf. zu einer zit begeben möchten, desselben halben nit verhinderung oder mangel entsteen müge, wie bißhar etwan bescheen ist, das ouch fliß ankert, das die angezeigte zale der bysitzer fürderlich erfüllet werde, und wiewol die gemelt ordenunge anzeig tut uf sechzehen bysitzer, also das nit mer dan vier personen zu einer zit vom KG. erloupt werden sol. diewile aber dieselbe zale bißhar noch nye erfült, sonder nie mer dan dritzehen bysitzer oder zu etlichen ziten mynder hie gewest und aber durch die kgl. mt. und etlich ff. und stende des richs zu Worms darzu verordnet uf anbringen eines KG. hievor zugelassen worden, das durch acht bysitzer und den camerrichter urteil gesprochen werden mögen, ist geratslaget, das gut und not sy vergangener und künftiger urteilen halben und das es fürohin ouch also gehalten werden sol, declaracion ze tun und klare ordenung zu machen, wie harnach volgt, domit uß solicher ordenung nit ursach gegeben werde, in die urteilen inrede oder cavillacion ze tun.

Item, das von vile und menge der sachen, die sich tägelich hufen und zufallen, zu fürderung der sachen gut und not were, das ein camerrichter uß den bysitzer ein der audienz entraten möcht, das zum mynsten vieren bevolhen, die by urteil und taxaciones expensarum uf infallende rechtsatz entledigen mögen, nochmals öffenlich am KG. ußzusprechen, domit man zu andern ziten usserthalb der audienz zu entlichen urteilen deste fruchtbarlicher griffen müge.

[Art. 2] Erkantnis der ladungen.

Item, als die ordenung anzeigt, das citaciones durch einen camerrichter erkant werden sollen, ist geratslaget, das zu fürderunge der partyen declariert und zugelassen werde, das zu ziten der vacanz oder sust ein camerrichter oder in sinem abwesen die bisitzer oder etlich uß inen durch einen kamerrichter darzu geordnet supplicaciones annemen und ladung ußgeen lassen mögen.

Item, nachdem die ordenung fürter begrifft, das die citacion durch gesworen boten oder offen notarien verkündet werden sollen, und aber in den verkündungen der ladunge und anderen gerichtzbriefen, so von unbekanten oder villicht untogenlichen notarien bescheen und in gericht fürbracht worden, sich täglich inrede fürnemen und irrung zu verlengerung der sachen begeben, ist, solichen verlengerungen, irrungen und
[Seite: S. 312] costen zu begegenen, geratslaget, das gut und nütze sy, das hinfür nach einer genanten zit, so zu öffenung desselben statutz bestimpt würt, deheinen verkündungen oder insinuacionen, ladunge oder andern briefen, vom KG. ußgangen, gloube geben werden sol, dan die durch gesworen boten oder offen notarien, die durch ein KG. zuvor approbiert und zugelassen worden, bescheen weren, die ouch ir hantschrift, namen und signete einem KG. verzeichenet geben und lassen, den ouch ein form und bericht, wie solich verkündungen gescheen und ufgeschrieben werden, gegeben werden solle.

Item, als gewönlicher form in den ladungebryefen des KG. gesetzt würt ein anzale tage als uf den drissigisten tag etc. noch der verkündunge etc. und sich aber begipt, das etwan mer dan ein persone derselben sach verwandt, die nit an einem ort gesessen und eins tags nit mögen citirt werden, daruss dan zwivel und irrunge entstat, so die verkündunge also geendert würt, ob dan der recht tag uf die ersten oder nochvolgende verkündunge sol gerechent werden, dasselbe zu fürkomen, ist geratslaget, das hinfüro in demselben vall ein gerümpter und benempter tag eins monats in den ladebriefen noch ermessung eins camerrichters, uf den die citierten alle komen mögen und sollen, bestimpt inen allen, wie sich gebürt, durch die originale briefe verkündigt, ouch allen glichförmig abeschrift davon durch ein geswornen boten oder notarien, der solich verkündung täte, underschriben und fürter das originale widerumb in gericht geantwortet werden soll.

[Art. 3] Copien.

Item, als in gerichtschriber eyde stät, das sie kein cop. von den ingelegten briefen und schriften den partyen geben sollen one urlop und erkantnuß eins gerichtz, ist, nochdem solich erkantnuß in jeder sach ze tun ein merglich verlengerung bringt, geratslaget, das solicher eyt gemessigt werde, also das der protonotarius one gerichtlich erkantnuß, sonder uf bescheit eins KG. aller inlege den partyen uf ir begeren abschrift geben müge, wie solichs gemeine recht ußwisen.

Item, als etwan von den partien briefe, register, acta und ander schriften, daran inen groß und vil gelegen ist, in gericht geleget werden und zu besorgen, das solich briefe, acta und ander schriften in der cancely verloren oder verseret werden oder die partyen der vilicht an andern orten ouch nottürftig sin möchten, ist bedacht und geratslaget, das hinfüro die party, wider die solich inlege beschicht, solle und möge solich ingeleit briefe und schriften besichtigen und syn inrede, ob er die wider sichtbarlich argwonikeit oder gebrechen an sigeln, signeten oder schriften
[Seite: S. 313] derselben briefen oder schriften hett, von stunde an desselben gerichtz fürwenden, es were dan das ein camerrichter uß ursachen lenger zit darzu gebe, und darnoch sollent die partyen ir briefe uf ir oder irs procurators begeren widergegeben werden, doch das davon allewegen gloupwürdig abschrift, die durch einen protonotarien oder leser collacioniert were, by den acten und cancelyen bliben.

Item, nochdem bißher die procuratores täglich über die gerichtzacta in die cancelyen zu loufen und die zu besichtigen noch alter gewonheit und gebruche zugelossen worden sint, und aber zu besorgen, das darin groß geverlicheit mit verrufung oder verletzung der briefen oder siegeln gebern möcht, ist, solichs zu verhüten, geratslaget, das den procuratoren oder partyen fürohin über solich acta und briefe zu loufen und in ir hende komen zu lossen nit gestattet, sonder allein cop. davon inen uf begern und costen gegeben werden inmossen, als vor von den partyen begriffen ist.

Item, nochdem eines kgl. fiscals und eins procurators privatorum pflicht nit wol byeinander besteen mögen, angesehen, das ein procurator privatorum siner parten heimlicheit zu verswigen und aber ein fiscal etwan ampts halben solhs zu offenen und zu rechtvertigen schuldig ist, und sich ouch tägelich begipt, das ein fiscal oder sust ein procurator privatorum ist wider den anderen fiscal und den fiscum causas privatorum defendiert, so ist geratslaget, das hinfür die fiscale allein der fiscalischen hendeln ußwarten und nit ander Sachen annemen oder, obe sie ir sachen durch ander procuratores oder redner handeln wolten, das ouch durch eigen procuratores oder redner, die allein derselben fiscalischen hendel ußwarten und deheinem anderen bevelhen solten.

Item, nochdem sich tägelich begipt, das ein procurator des anderen procurators advocat sin wil und aber der redener oder procurator und der advocaten ämpter unterscheidenlich sint, ouch die procurator von mengin der sachen wegen beyden ämptern nit wol vor sin mögen, ist geratslaget, das hinfür kein procurator sich advocaten amptz underfohen sol, wolt aber ein partye zu irem procurator ein advocaten bruchen, so solle sie einen uß den geswornen advocaten des KG. nemen, der sust kein procurator desselben KG. sy.

[Art. 4] Ordenunge der KG.-boten.

Item, nochdem bitzhar der boten halb ouch manigerley clage gewest, ist geratslaget, das hinfür von den bysitzern uß den leyen ein botenmeister geordent werde, der alle boten, so mit ladung oder andern gerichtzbriefen sollent ußreyten, noch inhalt nochbeschribener ordenung abvertigen und ir abfertigung, wider inkunft und handelung, damit sie in
[Seite: S. 314] allen dingen iren bevelhe und dienst mit fliß und getruwen nochkomen ufmerkens haben, ir verhandlung strofen und verfügen sol, das jedem sins soldes, was im lute der ordenung daruf begriffen gebürt, zu jedem monat entrichtet werde, das ouch alle citacion und ander gerichtzbriefe, so durch boten verkündet, nit den poten, sonder zuvor dem botenmeister behendiget werden sollen, die fürter durch die boten zu überschicken abvertigen sol, domit sie alle ryten und keiner vor dem andern vorteil haben möge.

Item, alle die boten des KG. sollent sich geritten halten und selbs vercosten.

Item, ein jeder, der sin citacion oder ander gerichtzbriefe durch ein geswornen boten wil verkünden lassen, sol dem botenmeister bitz an die statt der verkündung ye von zwölf mylen wegs ein gülden und darzu für die verkündung ein halben gülden geben, och der botenmeister noch überantwortung solichs geltz die ladung oder ander gerichtzbriefe in vier tagen abvertigen und der bot, dem die hinzufieren bevolhen würt, uf förderlichst verkünden.

Item, ob ain bot auf aim rit mer dann ain citatz- oder gerichtsbrief fürn und verkünden würde, soll jm doch für sein belonung von dem botenmaister nit mer meil dann so vil an die stat der verristen ladung ist, bezalt, doch von yeder parteyen, der brief er fürn würde, ganz botenlon genomen. aber das gelt, so im von insinuacion und verkündung aller ladung oder brief, er desselben rits gefuert und getan hett, gefellt, soll im alain beleiben und das gelt von andern deßmals gefuerten und verkündigten ladungen oder briefen soll dem botenmaister überantwort, durch in aigentlich aufgeschriben, in ain büchssen gelegt und der botenmaister solich gelt, so dermassen überlaufen würd, zuo außgang ains yeden monats under die boten gleich austailen un ainem als vil als dem andern davon geben, davon dann des botenmaisters schreiber zuo yeder fronvasten für sein aufschreiben, müe und belonung zwen güldin soellen gegeben werden.

Item, die boten, so zuo dem kgl. KG. bestellt un aufgenomen werden, soellen globen un zuon hailigen schwern, dem camerrichter und urtailern gewärtig un gehorsam zuo sein, ir botschaft, citacion und ander gerichtzbrief, so in von dem camerrichter, urtailern oder dem botenmaister zuo yeder zeit bevolhen oder übergeben werden, getreulich und mit fürdenlichem fleiß außzuorichten un den personen, an die soelich brif steen, in jr aigen person oder heußlich wonung oder sunst nach ordnung des rechten
[Seite: S. 315] zuo antwurten und zuo verkünden soelicher überantwurtung tag un malstat. darauf zuo schreiben den protonotarien des glauplich relacion, auch sunst alles das zuo tuon un zuo handeln, das inen nach inhalt der ordnung gepürt, alles getreulich und ungefärlich.

[Art. 5] Sportule.

Item, nochdem sportule angesehen der viscalischen und armer lüten sachen, darin bißhar kein sportule geben worden, so vil sint, so wenig ußtragen, das die gerichtzpersonen nit mögen belonet werden, ist geratslaget, das zu verhüten clage, die sich darumb tägelich erheben, erlich und gut were, das die abgestellt und nochgelassen würden, wo sie aber bliben solten, das dan einer declaracion oder bescheit not sy wie in causis iniuriarum und andern, do die cleger, so sachen selbs nit wissen an gelt zu würdigen, sportule taxiert und gevordert sollen werden, daruf dan geratslagt ist, das solich sportule am KG. noch größ und gelegenheit der personen und sachen zu messigen zugestehet und bevolhen werden möchten.

Item, ist geratslaget, das hinfür in überantwortunge des lybells die partien oder procuratores lute der ordenunge sportule ußrichten und, wo sie das verhalten und nit tun, ir keyner gehört noch inen in der sachen zu procedieren gestatt werden, ouch die partyen oder procuratores ir sachen by iren eiden würdigen und achten sollen, damit sich nyemas beswerunge beclagen möge.

Item, ob in eynicher sache, darin sich zu remitieren begeren und daruf gewisen, sportulas zu geben weren oder würden, sollent solich sportule inhalt der ordenunge ouch achtunge und würdigunge der sachen genomen und gegeben werden, diewile das gericht müge und erkantnuß darüber tun muß.

Und als sich dick begibt, das der cleger zu verzuk der sachen in bezalung der sportule sumig ist und der antworter umb recht anruft, ist geratslagt, das alsdan von dem antworter, der also im rechten zu volfaren begert, damit er deshalben nit rechtloß bliben muß, die sportule genomen werden und derselbe alsdan im rechten wider den cläger als einen ungehorsamen fürfaren und der cleger dagegen nit gehört werden, er lege dan zuvor dem andern teil sin dargelegt sportule abe.

[Art. 6] Contumax in comparendo.

Item, als in der ordnung steet, das man auf anruefen des clagers in der ersten rechtfertigung oder appellacion sachen auf ungehorsam des
[Seite: S. 316] antwurters auf die acht und aberacht wider denselben, ob er woelle, procediern müg, und aber etlich bißher gemaint haben, das alsbald auf die ersten ladung derselb ungehorsam on ferrer beruefung in die acht un aberacht gesprochen werden soll, das aber durch ain gericht zuo schwär ermessen und darumb, so sich soelicher fal begeben hat, ist bißher gehalten, das der angezaigt ungehorsam umbzuosehen un zuo hoeren sich um soelich sein ungehorsam in acht un aberacht erkennen oder redlich ursach dawider fürzuowenden etc. mit neuer ladung berueft. und so er darauf auch auß belyben und ungehorsam gewest, all erst mit der acht und aberacht wider in procediert werden, darumb, so ist geratslaget, das soelichs fürohin auch dermessen ze helten befelh beschehe.

[Art. 7] Der appellacion halb.

Item, wen nit vor eynem richter, sonder vor einem notarien appellieret oder apostel begert und gegeben werden, ob solich appellacion, als wider formen des rechten bescheen, untogenlich erkennt und für gnugsam zugelassen werden sollen in ansehunge, was deshalben gemeyn recht versehen, wie ouch bißhar gemeyner bruch in etlichen landen, obgemelter moß zu appellieren und apostel zu bitten, gewest sy, ist bescheit not, obe es mit zulassung solicher appellacion by versehunge der rechten oder dem gebruch bliben sol und daruf geratslaget, soverre es hinfür den rechten gemeß gehalten werden sol, das alßdan solichs in das rich ußgeschriben und verkündet werde, damit sich die partien, ouch die notarien solicher ordenung der rechten wissen zu halten und obgemelten bruch abezustellen.

[Art. 8] Armelüte.

Item, als denien, so arm sein und ir armuot behalten, vergebens soll gedient werden nach anzaigung der ordnung und zuo besorgen ist, das etwan dieselben sich soelicher freyhait zuovil vertroesten un andre hoeher und nieder stend muotwilliklich und unbillicherweiß in recht umbziehen und beschwären moechten, nachdem sy in nachmals die costen nit bezalen mügen, ist, soelicher muotwill damit zuofürkomen, geordnet, das ainem camerrichter macht und befelh gegeben werd, dieselben, so sich soelicher muotwill erfunden würd und sy die costen nit zuo bezalen hetten, mit andrer straf nach groeß und gelegenhait der personen und verhandlung ze strafen.
[Seite: S. 317]

Item, so am kgl. KG. in appellacion sachen geurtailt execution der urtail, dessgleichen taxacion der expens in der ersten instantien ergangen, begert würdet, wiewol nach sag der rechten soelich taxacion und execucion der vor ergangen instancien für die vordern richter gewisen werden soellen, so würd doch den parteyen vil muoe, neu costen und rechtfertigung darauf geen, und darumb geordnet, das soelich execucion und taxacion expensarum der vordern instancien fürter am KG. beschehen soellen, das auch hinfüro super taxacionem exspensarum in den und allen andern fällen kain neue ladung gegeben oder genomen werden soll, alles zuo verbieten übrigs costen und muoe.

Fürter, als in einem artikel der ordenunge angehende „item ein jeder sol sin underten in sin ordenlichen gerichten etc.“ nit fürsehen ist, wie ein bürger oder pure einen f. oder fürstmessigen zu recht bringen solle oder möge, ist erclerunge und bescheits not, obe es mit denselben bürgern oder puren als mit andern angezeigten personen oder wie es gehalten werden solle.

Item, und als in der ordenunge fürsehen ist, wie einer gegen einen f. oder fürstmessigen rechtz bekomen müge mit anzeige eines zits, darin solichs rechtens verholfen werden solle, und aber doby nit fürsehen ist, so einer gegen eins f. oder fürstmessigen oder ander ordenlichen richter und oberkeyten undertan rechtz begert, zu was ziten im solichs rechtens verholfen werden selle, daruß sich dan am KG. tägeliche clage begeben von den lüten, nemlich das sie gegen iren widerteylen an den ordenlichen gerichten rechtz nit mögen bekomen, ist geratslaget, das in demselben vall ouch ein zit bestimpt, darin dieselben sachen angefangen und geendet werden.

Item, so täglich wider ff., RSt. und ander oberkeit in clags wise einem gericht anbracht würt, das sie lüte unverschuldet, one recht und redelich ursach zum tode verurteylen und richten lossen haben sollen und durch die fründe recht wider dieselben begert, als dan in einer supplicacion hieby gelegt sich ouch begeben hat, ist bescheyds not, wie es in demselben am KG. gehalten werden solt.

[Art. 9] Notarien.

Und nachdem der offen notarien im reich vil sein un täglich auß instrumenten, so an das KG. komen, erfunden, das die leut in mancherley beschwärd, irung und schaden durch ir unwissenhait, unförmlichait un versambnuß bißher gefürt worden sein, so ist geratschlagt, das guot und not sey, das dagegen ain reformacion der notarien fürgenomen dardurch soelichs fürkomen werd.
[Seite: S. 318]

Item, so am kgl. KG. in appellacion sachen geurteilt execucion oder vor urteil deßglichen taxacion der expens, in den ersten instancien ergangen, begert würt, wiewol noch sach der rechten solich taxacion und execucion der vor ergangen instancien für die vordern recht gewisen werden solten, so würde doch den partyen vil müge, nuwer costen und rechtvertigunge daruf geen, und darumb geratslaget, das solich execucion und taxacion expensarum der vordern instancyen fürter ans KG. bescheen sollen, das ouch hinfüro super taxacionem expensarum in den und allen andern vällen kein nuwe ladunge gegeben oder genomen werden sol, alles zu verhüten überigs costen und müge.

Item, ist geratslaget, das hinfüro in den urteilen der expens alwegen gesetzt solle werden, das die partien, so in den costen erteylt ist, soliche costen der behaltenden partien in bestimpter zit an dem kgl. KG. ußrichten sol.

[Art. 10] Ordenung, wie mit den termynen und fürbringen der sachen in gericht procediert werden solle.

Item, nachdem die parteyen und ir procuratores sich bißher vil überflüssigkait in termin, inlag un andern fürbringen gebracht haben, dardurch dann die sachen verlengt werden un dest schwärlicher zuo end lafen mügen, ist zuo fürdrung der sachen un parteyen diß nachgeschriben ordnung fürgenomen, geratslaget un begriffen worden, der sich ain yeder procurator in volfuerung der sachen halten un gebrauchen soellen, bey ainer peen ains Reinischen guldins, so dick dawider beschähe, zuo bezalen, woelich peen fal fürter zuo hilf der armen, die zuo verkündung irer ladung un ander gerichtzbriefen den boten nit zuo lonen hetten, denselben boten nach ains gerichtsbeschaid außgeben werden soll.

[Art. 11] Wie in der ersten instanz procediert werden soll.

Anfenklich soll der cläger auf den ersten rechtag in der ladung bestimpt die außgangen ladung mit irer verkündung un sein clag in schriften un, sofere der cläger nit selbs sonder durch ainen anwalt erscheint, derselb anwalt seinen gewalt einlegen.

Demnach soll dem antwurter, soferre er nit wolt oder hett dilatorias fürzuobringen, auf den nechsten gerichtztag darnach, so in die ordnung betreffen würdet, der clag zuo antwurten un den krieg zuo bevestigen un item zuo contestiern zil geben werden.

Und so der krieg also von baiden tailen bevestigt un des durch die parteyen oder ir aine begert würde, soll alsbald beider seyt iuramentum calumnie geschworen werden.
[Seite: S. 319]

Item, und so der antwurter die clag vernainte, soll dem clager fürter sein artikel und capitel bey soelichem jurament calumnie einzebringen aufs nechst gericht zil gegeben werden, doch ob der klager sein lybel, soferre es ein articuliert lybel wäre, alsbald an weiter dilacion repitirn woelt, solt er das zuo tuon macht haben.

Darnach soll der antwurter auf soelich eingebracht artikel auch bey seinem aid calumnie zuo antwurten aufs nechst gericht zil haben oder ob er alsbald nach empfahung der artikel zuo antwurten zuogelassen werde, darnach soll dem cläger ain zeit nach ermessung ains gerichts sein artikel, sovil der vernaint worden wären, zuo beweisen bestimpt und nach verrückung desselben zeyts durch den cläger, sobald in die ordnung treffen würde, die sag und kuntschaft der gezeugen, ob die gefuert worden wären, öffnung und dem widertail, ob er woell wider dieselben oder all an der kuntschaft, so eingelegt worden wären, zuo reden, zil zuo bestimmen, in gericht angerueft und gebeten werden.

Demnach soellen soelich kuntschaft der gezeugen geoeffnet und dem widertail dawider und all ander einbracht kuntschaft in artikel weiß ze reden auf den ersten oder andern gerichtstag zil geben werden, doch so moecht dieselb partey alsbald gemain einred dawider fürwenden.

Darnach soll dem cläger wider die einred und artikel, so der gegntail wider die kuntschaft einbracht hett, zuo repleciern auch zeyt gegeben werden auf den nechsten oder andern gerichtstag, un soll ferrer auf soelich exceptional artikel gehandelt werden, wie von den dilatoriis hieniden begriffen ist.

Ob aber der antwurter, so er sähe, das des clägers sache und intension fundiert wäre oder darvor oder gleich nach bevestigung des kriegs peremptorias fürzuwenden het, solt er dieselben, sovil er der hett, artikel weiß all ainer termin und zuo ainem mal fürwenden, es wäre dann, das soelichs, so er in soelicher exception fürzuotragen sich von neuem begeben hette oder all erst nachmals im zuo wissen worden wäre, das er dann also mit seinem ayd beteuren und behalten moecht. und so soelich excepcion eingelegt, soll alsdann dem gegentail dawider ze reden oder ze antwurten biß aufs nechst gericht zug gegeben werden.

Und soverre soelich exception vom cläger vernaint, soll dem andern tail zeit nach ermessung des gerichts dieselben artikel, soferre sy pertinentes und von recht zuozelassen sein, zuo beweisen geben, und solt alsdann mit derselben beweisung gehalten und procediert werden, wie vor der haubtsach halb angezaigt ist.
[Seite: S. 320]

Wo aber der cläger soelich excepcional artikel mit antwurten nit vernainte und doch dawider replicierte, so solt dem antwurter zuo supliciern ad primam und darnach dem clager ad triplicandum auch ad primam zeit gegeben werden. darnach soll den parteyen durch das gericht ain terminus gesetzt werden ad producendum omnia un darnach ainer ad concludendum, es wäre dann, das ain gericht auß beweglichen ursachen anders beschiede.

[Art. 12] Termin in dilatoriis.

Wo aber ain antwurter nach obgemelter einlegung der clag nit gleich antwurt geben woelt, sonder dilatorias exceptiones fürzuowenden hete, die solt er all auf die nechsten termin, so in die ordnung nach einlegung des libels betreffen würde, mit ainander geschriftlich und artikuliert fürbringen und darauf der cläger wider soelich excepcion auch ad primam, so die ordnung an in käme, repliciern.

Und obe der cläger soelich excepcion vernainen würde, solten die, soferre sy pertinentes und zuolässlich wären, in ainer zeyt, so ain gericht darzuo bestimen soll, zuo beweisen zuogelassen. ob aber dieselben nit vernainen und doch mit der replicacion anfechten woelt, das solt er auch durch artikel tuon und dem andern tail dawider zuo reden ad primam zeyt geben, und so dieselben replik vernaint würden, demselben replicanten, die auch in ainer zeyt zuo probiern zuogelassen und mit soelicher probacion, wie oben bey der haubtsach außgedruckt würdet, gehalten werden.

[Art. 13] Wie in den appellacion sachen procediert werden sol.

Auf den ersten rechtag, in der ladung bestimbt, soll durch den appellanten oder seinen procurator, ob der für in erschyne, der auch seinen gewalt alsdann darlegen soll, eingelegt werden anfenclich die ladung mit irer verkündung un libellus appellatorius in form und maß, als hernach steet, es wär dann, das der widerteil in kainer appellacion gesteen oder die anfechten woelt, alsdann soll der appellans vor allen dingen formalia seiner appellacion beweisen und rechtfertigen.

Nachdem aber nit wol müglich, sonder schwer ist, solich formalia zu beweisen on die urtail und gerichtzacta der ersten instanz, so ist geordnet, das alsbald nach erkanntnuß der ladung, so die partey des begerte, conpulsoriales wider die richter der ersten instancien und alle andere, so solich urtail, acta und ander urkund, zu der sach dienend, hynder in hetten, erkannt werden, damit mangel halben derselben händeln und
[Seite: S. 321] urkund die sach nit verhindert werden, es soellen auch solich conpulsoriales von anfang mit ainer peen als zehen mark golds, auch umb fürdrung und mynders costens willen außgeen. ob aber darüber die richter der ersten instancie oder andre solichen conpulsorial briefen ungehorsam oder seumig erscheinen würden, das alsdann wider denselben ungehorsamen verrer im rechten procediert un dem appellanten zu beweisung seiner appellacion weiter zeit geben werden.

Item, wa der appellatus die fürgewendten appellacion in irer formalien nit anfechten woelt oder der appellans die bewisen und iustificiert hett, solt alsdann derselb appellans sein appellacion an ains libels statt, soverr von ainer bey urtail oder beschwärnuß appelliert worden wäre, repetiern un sein peticion müntlich oder schriftlich darauf tun: darumb so beger und bitt ich zu erkennen, das übel gehandelt und gesprochen und wol geappelliert sey.

Item, darnach soll dem widertail biß zum nechsten gerichte zil gesetzt werden, derselben clag oder peticion zu antworten, und so solich clag vernaint und es not sein würde, den appellanten zeit, die zu beweisen, geben werden etc., wie dann vormals bey den sachen der ersten instanz geschriben ist.

Deßgleichen, wo die klag durch excepcion angefochten würd, soll es mit den termyn darin auch gehalten werden, wie in sachen der ersten instanz angezaigt ist. wo aber von ainer end urtail appelliert ist, soll der appellans in der ersten termyn gemainer weiß sein clag tun, darin er beschliessen, begern un biten soll, zu erkennen, das übel geurtailt und wol appelliert sey. doch wa a sentencia absolutoria appelliert wer, moecht er darzu bitten, den widertail laut seiner clag der ersten instancien zu condemniern.

Darnach soll dem widertaile frist biß zum nechsten gericht geben werden, der alsdann auch in gemainer weiß darauf antworten und begeren soll, zu erkennen, wol geurtailt und übel geappelliert etc. und also der krieg damit bevestiget, darauf auch iuramentum calumnie auf der parteyen oder ir ainer begern geschworn werden.

Darnach soll den parteyen ad producendum omnia und ad concludendum tag gesetzt und soll solichs also gehalten werden in sachen, da die parteyen nichtz neus fürbringen wolten.

Wo aber der appellans oder appellatus etwas weiters dann in der ersten instancien zu beweisen oder fürzubringen heten, solt er solichs schriftlich durch artikel in der ersten termyn, so in nach zulassung oder rechtvertigung der formalia die ordnung begreift, fürpringen.
[Seite: S. 322]

Nachmals soll dem andern tail tag wider solich artikel ze reden gesetzt und darauf verrer gehandelt werden, wie in sachen der ersten instancien auf die artikel ze handeln angezaigt ist, procediert werden.

Ob aber der appellans nichtz neus oder anders, dann in der ersten instanz eingepracht were, und doch etwas desselbigen vor ein geprachten fürpringens zu beweisen hett, solt solichs, sovil recht were, in ainem zeit durch ain gericht, darzu gesetzt, beschehen und mit der probacion gehalten werden, wie oben in prima instancia ausgedruckt ist.

Item, wo in ainicher sach ander einrede, dann vor bestimbt, einpracht würden, solt allweg die ordnung darin gehalten werden, wie fürsehen ist.

[Art. 14] Wie auf ungehorsam soll procediert werden.

Item, wa ein partey, sy sey cläger oder antworter, aus ungehorsam nit erschin, soll und mag der cläger, nachdem das rufen nach herkommen und ordnung des gerichtz geschehen were, sobald die ordnung in betrifft, sein clag, inmassen als vorsteet, einbringen und soverr er die andern weg, die ine laut der
ordnung zu Worms gemacht, vallen lassen und in der haubtsach volfaren wolt, solt im auf sein anrufen biß aufs nechst gericht zu articuliern frist gegeben werden, doch moecht er alsbald on weitern schub sein eingelegt libell, soverre das articuliert were, anstatt der artikel repittiern mit anclagung der ungehorsamigkait des widertails, es were dann, das ain gericht aus bewegenden ursachen nach gestalt und gelegenhait der angeclagten ungehorsam solichs zum nechsten gericht zu tun beschide, und alsbald darnach bitten, sich und dieselben artikel zu beweisen zuzelassen. und solt alsdann der richter auf solich anrufen zu solicher beweisung zeit un frist nach ermessung ains gerichts bestimmen und geben.

Item, zu welicher zeit der ungehorsam nachmals erscheinen, es were nach ainer, mer oder allen termyn, so solt er, er were cläger oder antworter, in dem stand, wie er die sach und proceß findet, verrer ze handeln zugelassen und gehoert werden, doch zuvor dem gehorsamen tail allen costen und schaden, seiner ungehorsam halb erlitten, nach gerichtz messigung außrichten, und soll solichs in allen und yeden ungehorsam, es sey durch außbleiben oder wie sich die sunst in anfang, mittel oder ende der sach geben würde, allweg also gehalten werden.

Item, und wenn ain appellans auf ungehorsame des andern tails handeln woelle, sol er auf die nechsten termyn, so die ordnung, nach den das ruefen nach ordnung des gerichts beschehen ist, vor allen dingen formalia seiner appellacion beweisen und rechtvertigen, darnach sein libell un clag tun,
[Seite: S. 323] inmassen vor davon außgedrückt ist. deßgleichen soll auch der appellatus, so er in abwesen un ungehorsam des widertails procediern woelt, auch formalia appellacionis zu gründung der iurißdiction beybringen und aller erst darnach sein mainung und begerung fürbringen, darnach soll ym, nemlich dem appellanten oder appellato acta der ersten instanz oder alles anders, des er sich in der sach geprauchen wolt oder jm not were einzebringen, tag gesetzt werden, doch so er solichs alsbald on weitern zug einlegen und concludiern woelt, solt im die nit abgeschlagen werden, und soll solichs verstanden werden in den sachen, wo die partey nichts neus einpringen woelt. wo sie aber ychts neus einzulegen oder zu beweisen hett, sol es damit gehalten werden, wie vor davon angezaigt ist.

Item, wiewol noch dem zit, dem appellanten durch den vordern richter oder von volfürunge siner appellacion ufgesetzt, der appellatus vor dem richter, für den appelliert ist, erschinen und uf die desercion derselben appellacion procedieren mag und gehört werden, so sol er doch, obe er in der sach derselben appellacion, die also verlegen und desert were, volfaren und die prosequieren oder sin behalten urteil zu bestetigen begeren wolt, nit gehört werden.

[Supplikation] Die suplicacion, davon obgemelt wirdt:

Wolgeporner g. h., ich arme fraue bringe für, das bürger und rait zu Northuyssen Hermer Elyger verbrant und vom leben zu tode bracht, darumb das er sol falsch brieve geschriben und gemacht haben, wiewoil das lantroichtig ist und war, das er eyn luter leye waß und wider schriben noch lesen konde, und myn gedachten sone gewalt und unrecht getoin wider die gulden bullen, den 10jarigen fryden und die kgl. reformacion. des ich zusprach zu ine habe und ich ine der halben gff. und hh. zu malen kerunge zu toin vorschriben und erclagt, mir ganz unfruchtbar und mich arme frauen umb all myn guit bracht und so groß gewalt getoin, das ich lieber tusent gulden verliessen wolte, so ich die gehabt hette, dan solich groß gewalt dulden, und, nochdem sie, die gedachten von Northuyssen dem hl. rich un mittel underworfen sint, und keynen andern richter wyß dan das loblich KG., wider die gemelten bürger und raide Northuyßen zu erkennen und mir entlichs rechts verhelfen.

Margareta Eylgern (Elygern)